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So richtig viel hatte Regisseur Gaspar Noé zu seinem neuen Film “Enter the Void” (hier: 《死心不息》) nicht zu sagen, als er vor der Vorführung für kurze Zeit im Auditorium ans Mikro trat. Er wollte eine Atmosphäre von “Blade Runner” erzeugen, hat die meisten Darsteller auf den Straßen Tokios aufgetrieben, und die Zuschauer würden eine ungeschnittene Fassung zu Gesicht bekommen, die später eventuell noch gekürzt bzw. zensiert werden würde. Die Opening Credits vermitteln bereits einen guten Eindruck davon, wie schnell man hier Kopfschmerzen bekommt.

Da in diesem Fall wohl so wenig wie möglich gespoilert werden sollte, unterlasse ich große Plotbeschreibungen. Es geht um Traumata, um den Sinn des Lebens, um Sex, Drogen – kurzum die Leere und was sich dahinter verbirgt. Vor dem Hintergrund des epileptisch von Neonröhren verflackerten, “sexuell pervertierten” Tokios existieren einige drogenabhängige Ausländer vor sich hin. Unter ihnen Oscar (Nathaniel Brown), dessen Existenz das Gerüst bildet.

“Enter the Void” ist ein ziemlich unangenehmer Film. Nicht etwa, weil es besonders häßliche Szenen von Gewalt und Vergewaltigung zu sehen gibt (bis auf die “Innenansicht” würde ich FSK 16 sagen). Nein, sondern weil das Ganze notgedrungen zähflüssig dahinschleicht, der Effekt des allwissenden Hin- und Herrotierens zwischen Handlungsorten bis zum Erbrechen durchgehalten wird und dabei in den zweieinhalb Stunden eigentlich ‘wenig’ passiert. Die Form ist hier klar Teil der Nachricht, und die fördert Noé nicht nur ohne Umschweife hoch, sondern meißelt sie auch gleich noch stroboskobisch in die Hirnrinde des Zuschauers. Das perfekte Ambiente hat er dabei in Tokio gefunden (er meinte zwar, Hong Kong hätte auch zur Wahl gestanden, aber ich glaube nicht so recht an diese Alternative). Ein Film, den ich durchaus empfehlen kann, und der im Heimkino höchstwahrscheinlich extrem an Wirkung verlieren wird.

Dieses Jahr bietet das Filmfestival neben allerlei Neuem auch die Gelegenheit, einen Helden des Kungfu in Erinnerung zu rufen. Der Anlaß? Wäre er nicht frühzeitig verstorben, dann würde Bruce Lee (李小龍) dieses Jahr 70 werden. Und ich mache hier eine kleine Zeitreise mit, wobei mir die Karriere des jungen “Drachen” bis dato nur dem Hörensagen nach bekannt war.

Zwei solcher Frühwerke hab ich bis jetzt eingefahren; “The Kid” 《細佬祥》(1950) von Regisseur Fung Fung (馮峰) und “In the Face of Demolition”《危樓春曉》 (1953) von Lee Tit (李鐡). Beides Filme, die den ‘Bruce-Lee-Fans’ höchstwahrscheinlich abgehen würden. Kein Gekloppe, kaum Action … stattdessen Dialog und sozialkritische Ambitionen.
In “The Kid” spielt Bruce den titelgebenden Jungen, der seine Zeit mit den Geschwistern auf der Straße verbringt und etwas Geld mit dem Verleih von Comicheften verdient. Sie alle leben unter der Obhut des Onkels, ein arbeitsloser Lehrer, der gerade einen Job als Sekretär bei einem wohlhabenden Textilfabrikanten bekommen hat. So ergibt sich auch für den kleinen Cheung die Möglichkeit, die Schule zu besuchen. Doch das ist nicht die Bildung, die er sich erhofft, stellt er sich doch vor, einmal in die Fußstapfen des Kleinkriminellen Lee (飛刀李) zu treten. Nach einem kurzen Intermezzo als Lehrling in der Fabrik, schlägt er sich zurück auf die Straße, wo schließlich auch ein Konflikt der Textilarbeiterinnen ausgefochten wird. Das Ganze ist durchaus nicht ohne Unterhaltungswert; Komik und Slapstick bestimmen das Gesamtbild, in das sich ein sympathischer Lee einzufügen weiß und das mit einer Prise Sozialkritik abgeschmeckt wird. Eine kurze Sequenz vom Beginn des Films gibt’s hier.
“In the Face of Demolition” ist ein Film, der oft zitiert wird, den aber heutzutage kaum noch einer sieht. Verständlich, denn das Ganze zog sich für meine Begriffe schon mächtig. Bruce hat hier als Zeitungsjunge und Sohn einer kranken Mutter und eines arbeitslosen Vaters nur eine kleine Nebenrolle mit nicht einmal 10 Einstellungen und vielleicht 5 Zeilen Dialog. Auch hier geht es wieder um Sozialkritik; ein Lehrer zieht in ein Haus ein, dessen Mieter entweder zu Beginn oder später in Zahlungsnöte geraten. Ein Arbeiter hält die Gemeinschaft mit dem Motto “Einer für alle, alle für Einen” (我為人人,人人為我) zu Zusammenarbeit an. Anfänglich scheint dies auch zu gelingen, doch dann schlagen Krankheit und Arbeitslosigkeit erneut zu. Der Lehrer nimmt einen Job als Mieteintreiber an und gefährdet so nicht nur seine Beziehung zur Nachbarin sondern auch das Wohlergehen der anderen Mieter. Die “Blutspende” als Motiv für den kapitalistischen Raubbau am Menschen ist ein Zitat, das vom Film geblieben ist. Einen Clip gibt’s hier.

Obwohl ich mit den Filmen von John Woo (吳宇森) aufgewachsen bin, ergab sich irgendwie nie die Gelegenheit, auch mal einen der Klassiker auf der Kinoleinwand zu erfahren. Im Rahmen der Retrospektive zu Lung Kong (龍剛) hat das Film Archive nun neben “Story of a Discharged Prisoner” 《英雄本色》 (1967) auch das ‘Remake’ “A Better Tomorrow” (1986) aufgelegt. Und auch nach unzähligen Sichtungen hat der Film kaum an Flair verloren.

Bekannte Klänge, in Slowmo wird Ah Kit (阿杰 gespielt von Leslie Cheung 張國榮) von Kugeln niedergestreckt, bevor Hou Go (豪哥 gespielt von Ti Long 狄龍) schweißgebadet aus einem Alptraum aufschreckt und das durchnäßte Hemd die Tinte unter der Haut, die Insignien seiner Zunft, preisgibt. Als ich das letzte Mal nachgesehen hab (zugegeben, ist schon eine Weile her), war diese Ikone des Hongkonger Großstadtwesterns noch indiziert, und zwar mit dem Argument, daß der Film das organisierte Verbrechen verherrlichen würde. Und wenn Bruder Mark (ein unbezahlbarer Chow Yun-fat 周潤發) zu den Klängen eines Trinklieds in Minnanyu (閩南語), ein leichtes Mädchen in den Armen, Knarren in Blumentöpfen versteckt bevor er als Ein-Mann-Armee zum ‘extreme partycrashing’ einrückt, wird dieser Eindruck natürlich auch bestärkt. So treten vordergründig archaische Moral und subtile Kritik an der Illusion Gesetz zusammen. Ich jedenfalls hätte letzten Samstag gut und gerne auch noch den zweiten Teil oder “Hard Boiled” 《辣手神探》 mitgenommen. Die Gelegenheit wird sich wohl noch ergeben.

Von einer britischen TV-Serie namens “Edge of Darkness” aus den 80ern hatte ich noch nie etwas gehört und war dementsprechend verdutzt als vor Beginn des gleichnamigen US-Remakes das Logo der BBC auftauchte. Zu möglichen Veränderungen bzw. Deformationen des Plots kann ich insofern nichts sagen. Aber die Wiederaufwärmung ist auf jeden Fall ein brutal rundes Vergnügen.

Das Verhältnis zwischen dem Bostoner Polizisten Thomas Craven (Mel Gibson) und seiner Tochter Emma (Bojana Novakovic) ist nicht sonderlich eng, als sie plötzlich bei ihm auftaucht und Anzeichen einer schweren Krankheit zeigt. Doch als sie die Tür öffnen, um das Haus in Richtung Hospital zu verlassen, steht bereits ein Vermummter mit Schrotflinte da und ermordet die junge Wissenschaftlerin. Schnell wird Papa Craven klar, daß nicht er das Ziel des Attentats war. Ebenso schnell wird deutlich, daß ihn die Suche nach den Tätern zum Arbeitgeber Emmas, Northwood, bringen wird, und damit in den Sumpf zwischen Waffenindustrie und Politik, dessen Akteure schon lange daran gewöhnt sind, schamlos und ungestraft über dem Gesetz zu agieren. Doch welche Rolle spielt bei all dem der mysteriöse Darius Jedburgh (Ray Winstone)?

Mann! Da hatte ich Mel Gibson doch glatt abgeschrieben. Wahrscheinlich deshalb, weil ich mir eher eine weitere hypnotische Regiearbeit des gestört-genialen Machers gewünscht hatte. Aber sein ursprüngliches Handwerk hat Gibson nicht verlernt, besonders dann, wenn er wieder einmal den Archetyp des stahlharten Profis geben kann. Hätte ich eine Rubrik “Action Jackson”, würde dieses geradlinige Rachegerät ohne große Umschweife hineinfallen. Um Missverständnissen vorzubeugen, lange Schusswechsel oder Verfolgungsjagden gibt es hier nicht – dafür gewaltbereite Gute, intrigante Böse und ordentlich Auge um Auge. Eine aufrüttelnd männliche Angelegenheit, die ebenso markig wie unbarmherzig den Thanatos im Zuschauer zu stillen weiß.

… so wurde der Titel des Films “Fish Story” von Regisseur Yoshihiro Nakamura (中村義洋) nach dem gleichnamigen Roman von Kotaro Isaka (伊坂幸太郎) ins Chinesische übertragen 《一首punk歌救地球》. Und wie sich herausstellen wird, kommt dem Übersetzen in diesem Plot eine ganz besondere Rolle zu.

2012: die Welt steht kurz vor der Zerstörung durch einen gewaltigen Meteoriten. In einem kleinen Plattenladen diskutieren Musikfans mit einem selbsternannten Propheten die Chancen, die eine US-Mission unter Leitung von Bruce Willis noch haben könnte, die Erde vor dem vollständigen Untergang zu retten. Dabei graben sie eine legendäre Protopunk-Platte aus, die angeblich paranormale Effekte hervorruft. Auf der folgenden Reise durch die Vergangenheiten verschiedener Personen, in deren Leben der Musik der Band eine besondere Bedeutung zukam, werden Zusammenhänge nach dem Schmetterlingsprinzip entfaltet und sorgen für tragikomische Unterhaltung.

Nakamuras Film konstruiert gelungen eine Kette von Ereignissen, die zur Macht der Musik führt, zu Inspiration, die in ‘kleinen’ Schicksalen den Lauf der Geschichte verändert. Die quirlige Narrative oszilliert dabei zwischen bescheidenen Momenten der Erkenntnis und erfrischend überdimensionaler Selbstironie – eine unterhaltsame Mischung. Einen Trailer gibt’s hier.

Das 34. Hongkonger Filmfestival hat inoffiziell mit Screenings von Beiträgen zu den parallel laufenden 4. Asian Film Awards begonnen. Den Anfang machte bei mir Hitoshi Matsumotos (松本人志) Produktion des letzten Jahres “Symbol” 『しんぼる』 (hier: 《睡衣男異次元空間》). Nach dem überaus amüsanten “Dainipponjin” 『大日本人』 (2007) geht der Regisseur wieder einmal ungewöhnliche Wege, die visuell extravagant Slapstick mit Über-punchline verbinden.

Ein Mann (der Regisseur selbst) findet sich in einem mysteriösen weißen Raum wieder, der ihn vor eine Reihe von mehr oder weniger sinnfreien Aufgaben zu stellen scheint. Doch wie kann er entkommen und wohin wird ihn die Flucht führen?
Zur gleichen Zeit sitzt der Profi-Luchador Escargotman (David Quintero) in Mexiko am Frühstückstisch und liest Zeitung. Seine Tochter, eine rauchende Nonne mit Allradwagen, ist bereits unterwegs, ihn abzuholen, denn in der lokalen Arena hat er einen wichtigen Test im lucha libre gegen die ‘Teufel des Nordens’ zu absolvieren.

Wer nun wissen will, was diese beiden völlig verschiedenen Handlungsstränge verbindet, den kann man nur an den Film selbst verweisen, denn nicht nur die Analyse des Endes sondern auch jegliche Anspielung auf den Zusammenhang, ist in diesem Fall ein Spoiler. Allgemein würde ich “Symbol” nur zaghaft empfehlen, denn die Mischung aus kindlich-verspielter Manga-Slapstick, mittelamerikanischer Wrestling-Familie und überraschendem Ende ist definitiv nicht jedermanns Sache. Allen, die einigermaßen interessiert am japanischen Kino sind, sollte der Film aber – wie mir – subversive Freude bereiten. Einen Trailer zum Film gibt’s hier und eine etwas informativere Kritik von Maggie Lee in englischer Sprache hier.

Wenn Ennio Morricone für die Musik zuständig ist, Vittorio Storaro die Photographie organisiert und Franco Nero einen konstant sturzbetrunkenen Journalisten auf Mörderhatz gibt … ja, dann sollte eigentlich nichts schief gehen. Doch leider ist Regisseur Luigi Bazzoni mit dem “Schwarzen Tag für den Widder” (“Giornata nera per l’ariete”/”The Fifth Cord” 1971) “lediglich” ein wunderschöner Reinfall von einem Giallo gelungen.

So richtig viel kann ich zum Plot trotz der Sichtung nicht sagen. Bis auf Nero in der Rolle des Reporters Andrea Bild verliert man hier schnell den Überblick, um wen oder was es eigentlich gehen soll. Wieder einmal betrunken gerät er nach einem ersten Mord ins Visier der Polizei und wenn er nicht gerade Stress mit Autoritätsfiguren aller Art hat, lockt er kurz vor Einsetzen des Delirium tremens noch die eine oder andere junge Frau ins Bett. So prügelt, säuft und liebt sich Nero auf der Spur eines scheinbar wahllos agierenden Killers durch die Landschaft. Das sollte allen, die Interesse am Giallo haben, ausreichen.

Es sind die undurchsichtigen Charakterkonstellationen, die über weite Strecken fehlende Spannung und grundsätzlich die Motive des Täters die Bazzonis Film als wirksamen Giallo scheitern lassen. Ähnlich Paolo Cavaras “… e tanta paura” (1976), ist der Gesamteindruck auch mit angenehmem Sleaze- und Gewaltpegel nicht ausreichend gelb. Trotzdem kann man von “The Fifth Cord” nicht wirklich abraten, denn visuell geht hier einiges. Regie und Kamera lassen keine Gelegenheit aus, Architektur – außen wuchtig, innen 100% Zeitgeist – in bedrohlich schöne Bildkomposition zu übersetzen. Allein optisch ist der Film praktisch schon sein Geld wert. Denkt man dann allerdings daran, was für ein Meisterwerk der “Schwarze Tag” mit einer effektiven Narrative geworden wäre, kommen dem aficionado die Tränen.

Wenn Jerry Bruckheimer Chinese wäre, würde er wohl Filme wie “14 Blades” 《錦衣衛》 drehen. Regisseur Daniel Lee (李仁港) tut sein Bestes, so ziemlich alles in den Film reinzupacken, was sich narrativ oder stilistisch anbietet. Etwas Politthriller, Romanze, eine ordentliche Portion Wuxia (武俠), Piratenchic und Western – eine kitschige Mischung, die nur begrenzt genießbar ist.

In der ausgehenden Ming-Dynastie ist der kaiserliche Hof ein Sündenpfuhl aus Intrige und Verrat. Ein Instrument in Regierungshänden ist die Geheimpolizei der titelgebenden “Brokatgarde” und deren Anführer ist der “grüne Drache” (青龍) verkörpert von einem muskelbepackten, tätowierten Donnie Yen (甄子丹). Während einer Mission zur Exekution des vermeintlichen Verräters Zhao Shenyan (趙審言 gespielt von Damian Lau 劉松仁) kommt er einem Plan des Eunuchen Jia Jingzhong (賈精忠 gespielt von Law Kar-Ying 羅家英) auf die Spur, der dem verbannten Prinzen Qing (慶親王, Sammo Hung 洪金寶 in einer Gastrolle) die Rebellion ermöglichen soll.

Diesen Film ernst zu nehmen, ist praktisch unmöglich. Auch wenn der Themenpark zu “14 Blades” noch nicht gebaut ist, basiert der Mischmasch auf dem Prinzip Disneyland. Aber vergleicht man den Film mit “Piraten der Karibik” so schwächelt er eher wie Teil 2 und 3, zündet nicht wenigstens wie Teil 1 mit einem besäulsenden Unterhaltungsfaktor. Die Choreographie geht in Ordnung, ‘comic relief’ ist simpel, die Musik hat ihre Momente, aber nicht nur nimmt der Mumpitz bisweilen etwas Überhand sondern das Endprodukt hat auch noch ein paar Längen. Trotzdem bieten die “14 Klingen” relativ flüssige Eastern-Kost mit etlichen strukturellen US-Anleihen.

“The House of the Devil” (2009) ist der Beweis, daß man auch heute noch Filme drehen kann, die dermaßen 80er aussehen, daß man Angst bekommt. Eine gute halbe Stunde arbeitet Regisseur Ti West hart, keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, wann der Film entstanden sein muss. 16mm, Walkman, übergroße gelbe Typographie – der Schrecken kennt kaum Grenzen.

Samantha (Jocelin Donahue) ist Studentin und braucht Geld, als sie auf dem Campus Annoncen für einen Job als Babysitterin sieht. Zuerst scheint die Arbeit im “Haus des Teufels” eine hervorragende Möglichkeit das Taschengeld aufzubessern. Der Hausherr (Tom Noonan) hat zwar kein Kleinkind, braucht aber trotzdem ein junges Mädchen, zur Mondfinsternis das Heim zu hüten.

Spannung ist das Stichwort zur Beschreibung von Wests Film. Der 80er Anstrich untermauert lediglich den Homage-Charakter des Ganzen. Ganz langsam baut der Regisseur in heutzutage untypischer Weise eine Atmosphäre des Zweifels und der Angst auf, lässt im Vorgeschmack auf das groteske Ende die Gore-Nadel omniszient kurz ausschlagen, bevor der Zuschauer wieder an die Seite der nur langsam nervöser werdenden Protagonistin gestellt wird. Sparsame Schockmomente, dichtes Flair unterstützt von Toneffekten und gelungener Musik. Ja, so ging das früher, und so funktioniert es auch heute noch.

Knastfilme bieten immer wieder die Möglichkeit, Realismus zu predigen. Die harte Wirklichkeit schreckt ab, ekelt an, fasziniert mit brutalen Details. Nun vielleicht nicht unbedingt der deutsche Knast, aber der amerikanische (siehe “OZ” oder “Felon”) und nun auch der französische.

“Un Prophète” (2009) von Regisseur Jacques Audiard faßt 6 Jahre im Leben von Malik El Djebena (Tahar Rahim) zusammen, die er hinter Gittern verbringt. Zu Beginn ist er ein einfacher junger Franzose arabischer Herkunft, am Ende Kartellchef. Raum für freie Entscheidungen hat er kaum; nur unten bleiben oder hocharbeiten. Die Kosten sind in beiden Fällen hoch. Es beginnt mit einem Auftragsmord, um sich den Schutz der korsischen Mafia zu sichern, und führt unweigerlich hinein in die Unterwelt.

Weder die Geschichte, die Audiard erzählt, noch der Stil, in dem er sie präsentiert, sind wirklich neu. Die Aspekte der intellektuellen Befreiung des Entwurzelten, seines Aufstands vom gedemütigten Untermenschen in die kriminelle Chefetage und des Reflektierens seiner sozialen wie emotionalen Situation, dagegen produzieren ein frisches, anspruchsvolles Gesamtbild. Schauspielerisch wie technisch geht  “Ein Prophet” klar, trotzdem hatte ich nach den vielen guten Kritiken ein Quäntchen mehr erwartet.