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Category Archives: 34. Hong Kong Int. Film Festival

Über “Fisch Story” von Nakamura Yoshihiro (中村義洋) hatte ich ja vor kurzem ein paar Worte zu Monitor gebracht (der Film lief letztes Jahr auf dem Festival und dieses Jahr im Rahmen der Screenings zu den Asian Film Awards). Mit “Golden Slumber” (「ゴールデンスランバー」hier: 《宅配男金色搖籃曲》) verfilmt der Regisseur eine weitere Arbeit von Schriftsteller Isaka Kotaro (伊坂 幸太郎).

Diesmal ist es ein Thriller, ein sehr japanischer Thriller. Ein junger Mann, der bei einem Lieferservice arbeitet, gerät in die Fänge einer politischen Intrige. Vor Jahren wurde er über Nacht berühmt, als er eine Sängerin vor einem Übergriff rettet. Nun wird ihm dieser Ruhm zum Verhängnis, denn aus für ihn zunächst unerklärlichen Gründen wurde er zum Strohmann bei der Ermordung des japanischen Präsidenten auserkoren. Doch obwohl ihm die japanischen Behörden mit amerikanischen Maßnahmen auf die Pelle rücken, schlingelt er sich immer wieder aus deren Netz heraus und arbeitet sich mit Hilfe alter und neuer Freunde einer Lösung entgegen.

Mit über 2 Stunden hat Nakamuras Film Zeit für eine ganze Palette intimer, menschlicher Momente, die diesen Polit-Thriller deutlich vom amerikanischen trennen. Das ganze System des Thrillers wird hier umgekehrt, was auf ein fundamental anderes Denkmuster schließen lässt. Es ist ein Thriller wie er, denke ich, in weiten Teilen der nicht-amerikanischen Welt gedacht werden würde (mit Ausnahme des Serienkillers, mit dem der Protagonist sich anfreundet). Man hat hier kaum Angst um den Protagonisten, der Unterstützung in allen Bereichen der Gesellschaft findet, sondern nur vor einer Amerikanisierung der Verhältnisse, mit der die StaPo in Zeiten des Kriegs gegen den Terror liebäugelt. Es ist ein freundlicher Thriller voll amüsanter Episoden, den ich empfehlen kann. Einen Trailer gibt’s hier.

Irgendwie ist mir wieder nichts besseres eingefallen als Sprüche klopfen für den Titel dieses Artikels, aber tanzen würde Benedikt bei “Yatterman” (ヤッターマン hier: 《小雙俠》) von Querbett-Regisseur Miike Takashi (三池 崇史) auf jeden. Die Trickfilmserie aus den 70ern kenne ich nicht, genauso wenig wie Sakurai Sho (櫻井 翔), Hauptdarsteller des Films und seines Zeichens aidoru. Dementsprechend war ich auch nicht auf den regelrechten Ansturm Hong Konger Teenage-Gören mit Postern und Sprechchören vorbereitet.

Einige westliche Festival-Fetischisten versuchten den auch mit Mahnungen eine künstlerisch anspruchsvollere Atmosphäre zu beschwören, aber wenn sie geahnt hätten, was für einen Film Miike hier zusammengedreht hat, hätten sie das wohl unterlassen. Schlecht ist das Endprodukt nicht – die Fortsetzung, soweit ich weiß, bereits in Vorbereitung. Aber man muss schon ein knallharter Fan sein, um hier voll auf seine Kosten zu kommen. Die Story ist ziemlich haarsträubend, irgendwo zwischen “Gundam” und “He-Man” angesiedelt, und eigentlich irrelevant. Der Regisseur hat diesen Nonsens mit 80% Ernst visualisiert; in dieser Hinsicht kann man den Film wohl mit “Speed Racer” vergleichen. Die restlichen 20 Prozentpunkte hingegen sind die Unterhaltung für alle, die mit dem Geschehen eigentlich nichts anfangen können; hier spielt Miike mit den selbstironischen Tendenzen des Ganzen: der fetischistischen Komponente des cosplays, die schon dem Meister der Schildkröten Nasenbluten bescherrte oder dem wunderbaren Widersinn des Heldenduos, wenn Gan-chan (ガンちゃん gespielt von Sho) und Ai-chan (アイちゃん gespielt von Fukuda Saki 福田沙紀) wie die Müllmänner am Hunde-mecha hängen und dort auf dem Weg ins Abenteuer stundenlang den Elemten ausgesetzt in heldenhafter Pose verharren, während epischer Gesang auf die Konfrontation einstimmt.

Nun, der Blaumann zum ersten Teil ist jedenfalls mittlerweile auf dem Markt und somit ist der Film zu haben. Wer jedoch einen nervenaufreibenden Miike wie in “Audition”, “Ichi” oder “Visitor Q” wünscht, braucht hier gar nicht erst einschalten. Trailer hier.

Die verteilt natürlich kaum einer mit so viel Stil und suaver Eleganz wie der Mann, der der Welt Gung Fu vorgestellt hat. Nachdem ich mir zum Festival einige für mich neue Frühwerke der Legende reingezogen hatte, gab es zum Abschluß auch noch eine Auswahl der Klassiker. Und da kam echtes Retro-Feeling auf, zumal die Prints, die zum Festival organisiert wurden, definitiv wie 70er Kopien rüberkamen. Für “The Way of the Dragon” 《猛龍過江》, “Enter the Dragon” 《龍爭虎鬥》 und “Game of Death” 《死亡遊戲》 hatte ich Zeit und da alle drei natürlich zum Kanon zählen, werde ich hier nur kurz meine Eindrücke schildern.

“Way” ist der einzige Film, bei dem Bruce Lee selbst geschrieben, choreographiert und Regie geführt hat, und es war nach all den Jahren der Lee-Abstinenz (bei mir ist Bruce schon etwas her) der beste seiner Filme.
“Enter” kam bei dieser Sichtung – alle drei Filme hab ich zum ersten Mal auf der großen Leinwand gesehen – übel trashig rüber. Das Flair der 70er, das hier an allen Ecken und Enden heraustritt, die aufgesetzte Coolness, all das bringt den Film nicht wirklich vorwärts. Streckenweise war es lediglich ein Warten auf die Nunchakus. Auch Lees Charakter als mystischer Kampfmönch, der für den Kolonialherrn den abstinenten 007 gibt, funktioniert nicht richtig. Irgendwie nimmt der Film vor allem die Verramschung der Kampfkünste im Hollywood der folgenden Jahrzehnte vorweg. “Game” war eine noch deutlich gruseligere Erfahrung; ich konnte mich wirklich nicht daran erinnern, wie wenig Bruce im Film tatsächlich zu sehen ist. Viel zu wenig Stockwerke auf dem Weg zum bösen Mafia-Chef, ständig werden völlig anders beleuchtete Lee-Szenen früherer Filme eingesplict – kurzum eine unangenehme Erfahrung.
“Way of the Dragon” dagegen, wie erwähnt, war der Knaller, den ich Erinnerung hatte. Hier kommt Bruce ganz und gar, d.h. mitsamt seiner faschistoiden Tendenzen, hervor. Scheiß auf die römischen Ruinen aus grauer Vorzeit, hier müssen Hochhäuser hin, hier muss abkassiert werden; Chefchen hat vielleicht ein paar mittelalterliche Wandteppiche im Zimmer, aber die Zeiten, in denen das noch was bedeutet hat, sind vorbei; und wenn er seine Multikulti-Bande von schwarz-weißen Halbstarken losschickt, macht der Mann aus Sha Tin schnell klar, wer hier die Untermenschen sind. Schwule Überläufer kommen da genauso unter die Räder wie Verräter im Pensionsalter. Das Sex-Appeal für die Einnahme Italiens hat der katzenhaft geschmeidige China-Adonis hier definitiv, wenn die freundliche Piazza-Begegnung barbusig zum Schäferstündchen lädt. Ja, ideologisch kam bei diesem Film echt Stimmung bei mir auf.

Dabei belasse ich es jetzt erst einmal, verweise aber noch auf ein Buch, das kürzlich erschienen ist und mit durchaus ordentlichen Ansätzen Bruce Lee theorisiert. Einen Eindruck gibt’s hier (warum der Spaß bei amazon.de jedoch 73 Eusen kosten soll? … so viel ist es jedenfalls nicht wirklich wert).

Ultrarealistisch präsentiert Regisseur Brillante Mendoza dem Zuschauer die philippinische Gesellschaft in “Kinatay” (hier: 《男孩看見血地獄》). 24 Stunden im Leben des jungen Peping (Coco Martin) vergehen hier fast wie in Echtzeit.

Das Portrait beginnt mit – für den Ausländer – idyllisch anmutender Armut. Hier, wo sich noch so vieles auf der Straße abspielt, ist der Protagonist zuhause, lebt mit Kleinkind und Freundin, die er noch an diesem Tag heiraten wird. Später weiter zur Polizeischule, immer wieder unterwegs auf den verstopften Straßen, wo ein suizidgefährdeter Junge zum Zentrum eines Medienauflaufs wird. Dann der Bruch, die Nacht bricht herein, und damit der perverse Unterboden dieser ‘christlichen’ Gemeinschaft – die inoffizielle Polizeischule. Und mit dem Anbruch des nächsten Tages fügen sich Familienidyll, Medienrummel, Gesetzeshüter und eine zerstückelte Madonna zu einer gespenstischen Momentaufnahme zusammen.

“Kinatay” ist trotz normaler 100 Min. Laufzeit langatmig. Mendoza verläßt sich auf die Wirkung seines Plots, um den langen Phasen lautloser Angst im Protagonisten, die er mit Beobachtungen von am Autofenster vorbeiziehenden Landschaften verbringt, die notwendige Spannung zu geben, was nicht wirklich durchgehend gelingt. Trotzdem ist der Film atmosphärisch dicht, schreckt nicht vor der Grauzone, die jeden Raum für Moral und Prinzipien erstickt, zurück und bringt mit seiner brutal einfachen Metapher der Madonna eine Kausalität ins Spiel ohne in simplen Fingerzeig abzuflachen. Alles in allem eine ziemlich runde Sache. Einen Ausschnitt gibt’s hier.

Ein weiteres Frühwerk des Drachen gab’s in Form einer Adaption von Cao Yus (曹禺) bekanntem Theaterstück “The Thunderstorm” 《雷雨》, 1957 von Ng Wui (吳回) in Szene gesetzt. Bruce Lee (李小龍) spielt in dieser Familientragödie wiederum nur eine Nebenrolle.

Die Geschichte wird vom Prinzip der ‘schicksalshaften Begegnung’ (緣分) geleitet. Am Anfang steht die uneheliche Beziehung zwischen dem Sohn einer wohlhabenden Familie und einer Hausangestellten. Jahrzehnte später hat dieser Sohn eigene Kinder und ‘dienstbare Geister’ und ähnliche romantische Beziehungen (diesmal im Dreieck) zeichnen sich ab. Doch dann trifft die Mutter des betreffenden Hausmädchens ein und alle werden von der dunklen Vergangenheit eingeholt.

Regisseur Ng Wui inszeniert die Geschichte im Kammerspielformat, d.h. auf wenige Handlungsorte beschränkt. Auch das Schauspiel wirkt etwas porös und theatralisch. Mit über 2 Stunden Laufzeit und besagtem Vorwissen zieht sich das Ganze dann auch etwas zu seinem voraussehbaren Finale hin. Trotzdem oder gerade deshalb ist diese Übung nicht ohne kathartischen Wert und sozialkritische Nuancen. Einen Ausschnitt vom Ende gibt’s hier.

Thailändische Horrorfilme gehören mittlerweile zum Alltag, haben mich aber bis jetzt noch nicht so recht überzeugen können. Auf dem Festival gab’s in dieser Rubrik Kongkiat Komesiris Film “Slice” (2009) (hier: 《切切切》) zu sehen. Beworben wurde er als “Silence of the Lambs” plus Prise ‘camp’, doch leider ist das Verhältnis genau umgekehrt.

Ein Polizist, der nebenher mit seinem Chef in der Unterwelt kassieren ging, sitzt im Knast, weil er während einer seiner ‘Operationen’ einen weiteren Ermittler erschossen hat. Als eine Psychologin ihn zu seiner Situation befragt, klagt er über Alpträume, in denen ihn ein roter Reisekoffer und Erinnerungen aus der Kindheit plagen. Kurz darauf taucht tatsächlich ein roter Koffer auf; der Inhalt: ein perverser Ausländer sauber zerlegt und reichlich dekompostiert. Sein Chef ist mit dem Fall betraut und nachdem auch Prominenz vom Killer heimgesucht wird, bekommt dieser reichlich Druck von oben. Der Protagonist wird auf freien Fuß gesetzt, um in seiner Vergangenheit nach Anhaltspunkten zu suchen.

Hört sich nicht schlecht an und wenn man den Trailer sieht, könnte man fast meinen, das Ganze lohne sich. Für meine Begriffe leider nicht. Schon bei der ersten Sequenz des Films überkam mich ein kalter Schauer, denn was als ‘stylish’ geplant war, beraubte der Leinwand jeden Schimmers von düsterem Flair. Dieser Eindruck setzte sich bis auf einige ‘flashbacks’ praktisch nahtlos fort. Ohne Atmosphäre wirkte alles Perverse aufgesetzt, konstruiert. Reichlich Applaus vom Publikum gab’s trotzdem. Nun, im Endeffekt muss sich eben jeder selbst ein Bild machen.

So richtig viel hatte Regisseur Gaspar Noé zu seinem neuen Film “Enter the Void” (hier: 《死心不息》) nicht zu sagen, als er vor der Vorführung für kurze Zeit im Auditorium ans Mikro trat. Er wollte eine Atmosphäre von “Blade Runner” erzeugen, hat die meisten Darsteller auf den Straßen Tokios aufgetrieben, und die Zuschauer würden eine ungeschnittene Fassung zu Gesicht bekommen, die später eventuell noch gekürzt bzw. zensiert werden würde. Die Opening Credits vermitteln bereits einen guten Eindruck davon, wie schnell man hier Kopfschmerzen bekommt.

Da in diesem Fall wohl so wenig wie möglich gespoilert werden sollte, unterlasse ich große Plotbeschreibungen. Es geht um Traumata, um den Sinn des Lebens, um Sex, Drogen – kurzum die Leere und was sich dahinter verbirgt. Vor dem Hintergrund des epileptisch von Neonröhren verflackerten, “sexuell pervertierten” Tokios existieren einige drogenabhängige Ausländer vor sich hin. Unter ihnen Oscar (Nathaniel Brown), dessen Existenz das Gerüst bildet.

“Enter the Void” ist ein ziemlich unangenehmer Film. Nicht etwa, weil es besonders häßliche Szenen von Gewalt und Vergewaltigung zu sehen gibt (bis auf die “Innenansicht” würde ich FSK 16 sagen). Nein, sondern weil das Ganze notgedrungen zähflüssig dahinschleicht, der Effekt des allwissenden Hin- und Herrotierens zwischen Handlungsorten bis zum Erbrechen durchgehalten wird und dabei in den zweieinhalb Stunden eigentlich ‘wenig’ passiert. Die Form ist hier klar Teil der Nachricht, und die fördert Noé nicht nur ohne Umschweife hoch, sondern meißelt sie auch gleich noch stroboskobisch in die Hirnrinde des Zuschauers. Das perfekte Ambiente hat er dabei in Tokio gefunden (er meinte zwar, Hong Kong hätte auch zur Wahl gestanden, aber ich glaube nicht so recht an diese Alternative). Ein Film, den ich durchaus empfehlen kann, und der im Heimkino höchstwahrscheinlich extrem an Wirkung verlieren wird.

Dieses Jahr bietet das Filmfestival neben allerlei Neuem auch die Gelegenheit, einen Helden des Kungfu in Erinnerung zu rufen. Der Anlaß? Wäre er nicht frühzeitig verstorben, dann würde Bruce Lee (李小龍) dieses Jahr 70 werden. Und ich mache hier eine kleine Zeitreise mit, wobei mir die Karriere des jungen “Drachen” bis dato nur dem Hörensagen nach bekannt war.

Zwei solcher Frühwerke hab ich bis jetzt eingefahren; “The Kid” 《細佬祥》(1950) von Regisseur Fung Fung (馮峰) und “In the Face of Demolition”《危樓春曉》 (1953) von Lee Tit (李鐡). Beides Filme, die den ‘Bruce-Lee-Fans’ höchstwahrscheinlich abgehen würden. Kein Gekloppe, kaum Action … stattdessen Dialog und sozialkritische Ambitionen.
In “The Kid” spielt Bruce den titelgebenden Jungen, der seine Zeit mit den Geschwistern auf der Straße verbringt und etwas Geld mit dem Verleih von Comicheften verdient. Sie alle leben unter der Obhut des Onkels, ein arbeitsloser Lehrer, der gerade einen Job als Sekretär bei einem wohlhabenden Textilfabrikanten bekommen hat. So ergibt sich auch für den kleinen Cheung die Möglichkeit, die Schule zu besuchen. Doch das ist nicht die Bildung, die er sich erhofft, stellt er sich doch vor, einmal in die Fußstapfen des Kleinkriminellen Lee (飛刀李) zu treten. Nach einem kurzen Intermezzo als Lehrling in der Fabrik, schlägt er sich zurück auf die Straße, wo schließlich auch ein Konflikt der Textilarbeiterinnen ausgefochten wird. Das Ganze ist durchaus nicht ohne Unterhaltungswert; Komik und Slapstick bestimmen das Gesamtbild, in das sich ein sympathischer Lee einzufügen weiß und das mit einer Prise Sozialkritik abgeschmeckt wird. Eine kurze Sequenz vom Beginn des Films gibt’s hier.
“In the Face of Demolition” ist ein Film, der oft zitiert wird, den aber heutzutage kaum noch einer sieht. Verständlich, denn das Ganze zog sich für meine Begriffe schon mächtig. Bruce hat hier als Zeitungsjunge und Sohn einer kranken Mutter und eines arbeitslosen Vaters nur eine kleine Nebenrolle mit nicht einmal 10 Einstellungen und vielleicht 5 Zeilen Dialog. Auch hier geht es wieder um Sozialkritik; ein Lehrer zieht in ein Haus ein, dessen Mieter entweder zu Beginn oder später in Zahlungsnöte geraten. Ein Arbeiter hält die Gemeinschaft mit dem Motto “Einer für alle, alle für Einen” (我為人人,人人為我) zu Zusammenarbeit an. Anfänglich scheint dies auch zu gelingen, doch dann schlagen Krankheit und Arbeitslosigkeit erneut zu. Der Lehrer nimmt einen Job als Mieteintreiber an und gefährdet so nicht nur seine Beziehung zur Nachbarin sondern auch das Wohlergehen der anderen Mieter. Die “Blutspende” als Motiv für den kapitalistischen Raubbau am Menschen ist ein Zitat, das vom Film geblieben ist. Einen Clip gibt’s hier.

Obwohl ich mit den Filmen von John Woo (吳宇森) aufgewachsen bin, ergab sich irgendwie nie die Gelegenheit, auch mal einen der Klassiker auf der Kinoleinwand zu erfahren. Im Rahmen der Retrospektive zu Lung Kong (龍剛) hat das Film Archive nun neben “Story of a Discharged Prisoner” 《英雄本色》 (1967) auch das ‘Remake’ “A Better Tomorrow” (1986) aufgelegt. Und auch nach unzähligen Sichtungen hat der Film kaum an Flair verloren.

Bekannte Klänge, in Slowmo wird Ah Kit (阿杰 gespielt von Leslie Cheung 張國榮) von Kugeln niedergestreckt, bevor Hou Go (豪哥 gespielt von Ti Long 狄龍) schweißgebadet aus einem Alptraum aufschreckt und das durchnäßte Hemd die Tinte unter der Haut, die Insignien seiner Zunft, preisgibt. Als ich das letzte Mal nachgesehen hab (zugegeben, ist schon eine Weile her), war diese Ikone des Hongkonger Großstadtwesterns noch indiziert, und zwar mit dem Argument, daß der Film das organisierte Verbrechen verherrlichen würde. Und wenn Bruder Mark (ein unbezahlbarer Chow Yun-fat 周潤發) zu den Klängen eines Trinklieds in Minnanyu (閩南語), ein leichtes Mädchen in den Armen, Knarren in Blumentöpfen versteckt bevor er als Ein-Mann-Armee zum ‘extreme partycrashing’ einrückt, wird dieser Eindruck natürlich auch bestärkt. So treten vordergründig archaische Moral und subtile Kritik an der Illusion Gesetz zusammen. Ich jedenfalls hätte letzten Samstag gut und gerne auch noch den zweiten Teil oder “Hard Boiled” 《辣手神探》 mitgenommen. Die Gelegenheit wird sich wohl noch ergeben.

… so wurde der Titel des Films “Fish Story” von Regisseur Yoshihiro Nakamura (中村義洋) nach dem gleichnamigen Roman von Kotaro Isaka (伊坂幸太郎) ins Chinesische übertragen 《一首punk歌救地球》. Und wie sich herausstellen wird, kommt dem Übersetzen in diesem Plot eine ganz besondere Rolle zu.

2012: die Welt steht kurz vor der Zerstörung durch einen gewaltigen Meteoriten. In einem kleinen Plattenladen diskutieren Musikfans mit einem selbsternannten Propheten die Chancen, die eine US-Mission unter Leitung von Bruce Willis noch haben könnte, die Erde vor dem vollständigen Untergang zu retten. Dabei graben sie eine legendäre Protopunk-Platte aus, die angeblich paranormale Effekte hervorruft. Auf der folgenden Reise durch die Vergangenheiten verschiedener Personen, in deren Leben der Musik der Band eine besondere Bedeutung zukam, werden Zusammenhänge nach dem Schmetterlingsprinzip entfaltet und sorgen für tragikomische Unterhaltung.

Nakamuras Film konstruiert gelungen eine Kette von Ereignissen, die zur Macht der Musik führt, zu Inspiration, die in ‘kleinen’ Schicksalen den Lauf der Geschichte verändert. Die quirlige Narrative oszilliert dabei zwischen bescheidenen Momenten der Erkenntnis und erfrischend überdimensionaler Selbstironie – eine unterhaltsame Mischung. Einen Trailer gibt’s hier.