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… für Nostalgie ist nich neu; “Goodbye Lenin” hat’s vorgemacht, die Briten haben im Fernsehen mit “Life on Mars” und dem Nachfolger “Ashes to Ashes” Zeitgeistforschung nachgelegt, Sat1 recyclet das Ganze nett mit “Der Letzte Bulle”. Im Kong ist zumindest “Goodbye” relativ bekannt und war vielleicht Inspiration für “Gallants” 《打擂台》 von Autoren- und Regieduo Clement Cheng Sze-Kit (鄭思傑) und Kwok Chi-kin (郭子健). Es ist ein netter kleiner Film geworden, der allen Shaw-Fans ein Wiedersehen mit alten Bekannten beschert und den Mythos des Kungfu gewissermaßen in die Realitäten seines kinematographischen Geburtsortes (zumindest was die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts angeht) integriert.

Vor Jahrzehnten war Meister Law (Teddy Robin 泰迪羅賓) ein stadtbekannter Sifu mit eigener Schule (羅新門), Tiger (Leung Siu-lung 梁小龍) und Drache (Chen Kuan Tai 陳觀泰) seine besten Schüler. Bis er eines Tages so eins vor die Matte bekommt, daß er erst mal ein paar Dekaden ausruhen muss. Von seiner Schule bleibt nur noch eine Vorstadt-Teestube (羅記茶樓). Vom Leben gebeutelt trifft ein junger Mann (Wong You-Nam 黃又南) in der Hong Konger Provinz ein, um den Veteranen das Grundstück abzuschwatzen. Doch Kindheitsträume von Bruce Lee werden in ihm wach, nachdem er Tiger in Action sieht und so wechselt er die Seiten. Als Meister Law dann plötzlich erwacht, muss der Neuling auch noch die Rolle von Tiger und Drache einnehmen, um das Nervenkostüm des Sifu nicht zu gefährden und bald laufen Vorbereitungen für ein Turnier an …

Hier kollidieren Zeitgeister, hier trifft alt auf neu, ökonomische Überheblichkeit auf kulturellen Stursinn. Und am Ende kommen alle ganz gut weg. Anders als in Stephen Chow’s “Kungfu Hustle” 《功夫》, wo der Mythos die aufkommende Moderne noch vollkommen überrumpeln konnte, muss er sich in “Gallants” der Rationalität der Epoche beugen, in die Spiritualität und Psychologie zurückziehen. Vom edlen Sifu bleibt hier nur der Wille zur Macht, vom Heldentod nur ein ironisches Lachen. Technisch geht der Film in Ordnung, ohne viel Tralala können die Idole der Vergangenheit nochmal ordentlich auf die Kacke hauen. Das Intro macht deutlich, woher der Wind weht, und auch der Schnitt verweist in überzogener Weise immer wieder auf die glorreichen 60er und 70er Jahre. Ein paar Zeichentrickeinlagen integrieren dann noch die zweite mediale Wurzel des Genres, das Comicheft, in die visuelle Architektur. Kurzum, weg von den literarischen Wurzeln des wuxia, die Shaw noch zu verfilmen vorgab, hinzur Wutangisierung. Zu dieser globalen Rezeptionsschleife passt denn auch MC Jins (歐陽靖) Beitrag zum Ganzen, der mit diesem Song das letzte Wort in “Gallants” hat. Fazit: gegen Ende einen Tick zu langatmig für meinen Geschmack aber insgesamt doch 真好嘢!

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