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In meinem Kommentar zu “Love in a Puff” 《志明與春嬌》 hatte ich die nächste Produktion von Regisseur Pang Ho-cheung (彭浩翔) bereits angekündigt. Auch “Dream Home” 《維多利亞壹號》 erntete ihm ein CAT III Rating und diesmal völlig gerechtfertigt nicht nur für verbalen Mißbrauch. In einem Interview mit Andrew Lin (連凱) – hier für die Make-up-Effekte zuständig – hatte dieser schon einiges von der visuellen Durchschlagskraft dieses Slashers durchblicken lassen. Trotzdem war ich etwas überrascht, wie krass einige der Effekte rüberkommen. Die kreative Genrekreuzung ist auf jeden Fall einen Blick für alle HK- und Horror-Fans wert, aber so ganz ist Pangs Rechnung nicht aufgegangen.

Nach einem sozialkritischen Einführungstext zur Hong Konger Gesellschaft, die trotz unanständiger Eigenheimpreise über einen erheblichen Anteil an Niedrigverdienern verfügt, geht die Action sofort los. Josie Ho (何超儀) verkörpert die kaltblütig-präzise Protagonistin, die zunächst einmal den Sicherheitsmann im Pensionärsalter ausbluten läßt, bevor sie in den höheren Etagen des noblen Silos tabula rasa macht. Ja, den Slasher-Anteil der Produktion inszeniert Pang bravorös, den Konventionen entsprechend und mit einem Augezwinkern: das “final girl” zerstört hier untreue Ehemänner, gelangweilte Ehefrauen und Phantasiewelten pubertierender Junggesellen (passende Cameo von LMF 大懶堂) mit einem Flair fürs Anatomisch-Dramatische, von prenatal bis postkoital, als wollte Pang sagen: “Bava’s ‘Reazione a Catena’, ‘Friday the 13th’ und jetzt mein Beitrag”. Aber glücklicherweise konnte er das Innovieren nicht lassen und unterbricht das Treiben immer wieder mit Drama-Rückblenden, um den Hintergrund der Bluttat zu beleuchten. Das geht definitiv auf Kosten der Atmosphäre, produziert ein Gefühl der Unverhältnismäßigkeit zwischen persönlichem Schicksal und psychopathologischer Reaktion, und behindert so im Zuschauer die sadistische Lust an der Vollstreckung des puritanischen Bluturteils. Ein Umschneiden in eine Stunde Drama und 30 Minuten Blutrausch à la “Audition” wäre die Alternative gewesen, würde aber wohl die sozialkritische Komponente ertränken.

Das geschickte Einbetten des Slashers in den spezifischen Kontext Hong Kongs ist somit nicht ganz geglückt. Trotzdem wurde ich ordentlich unterhalten und so kommt Hoffnung auf einen weiteren Genrebeitrag von Pang Ho-cheung auf.

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